Witterungsgeführte Heizungsregelung + Nachtabsenkung

Anpassung der Vorlauftemperatur an die Außentemperatur (Heizkurve) und zeitliche Absenkung außerhalb der Nutzungszeiten.

Wie funktioniert eine witterungsgeführte Heizungsregelung mit Nachtabsenkung?

Bei der witterungsgeführten Regelung misst ein Außenfühler die Außentemperatur, und der Regler leitet daraus über die Heizkurve die passende Vorlauftemperatur ab: Je kälter es draußen ist, desto wärmer wird das Heizwasser. Die Heizkurve wird durch Steilheit (Neigung) und Niveau (Parallelverschiebung) beschrieben. Ist sie zu steil oder zu hoch eingestellt, läuft die Heizung mit unnötig hoher Vorlauftemperatur; das erhöht Kessel-, Verteil- und Bereitschaftsverluste. Nutzungszeitprogramme ergänzen die Regelung zeitlich: Außerhalb der Nutzungszeiten – nachts, an Wochenenden, in Ferien – wird die Vorlauftemperatur abgesenkt oder die Heizung ganz abgeschaltet. Moderne Regler und Gebäudeleittechnik berechnen zudem den optimalen Aufheizzeitpunkt, damit die Räume zu Nutzungsbeginn wieder warm sind.

Für welche Gebäude lohnt sich die Optimierung der Heizungsregelung?

Am größten ist der Effekt in Nichtwohngebäuden mit klaren Nutzungszeiten – Bürogebäude, Schulen, Kindergärten –, die oft rund um die Uhr auf Komforttemperatur gehalten werden, obwohl sie nur 40 bis 60 Stunden pro Woche genutzt werden. Auch in Mehrfamilienhäusern bringt eine korrekt eingestellte Heizkurve spürbare Einsparungen. Voraussetzung ist ein Regler mit Außenfühler, der vorhanden ist oder nachgerüstet werden kann, sowie ein modulierender oder gleitend regelbarer Wärmeerzeuger. Bei Wärmepumpen ist eine flach eingestellte Heizkurve besonders wichtig, weil jedes Kelvin weniger Vorlauf den Stromverbrauch senkt; die Nachtabsenkung sollte hier moderat ausfallen, um teures Wiederaufheizen zu vermeiden.

Was bringt die optimierte Heizungsregelung konkret?

In Wohngebäuden sinkt der Heizenergiebedarf um 5 bis 12 %, in Nichtwohngebäuden um 10 bis 20 %. Ein Bürogebäude mit 200.000 kWh Heizwärmebedarf ohne bisheriges Nutzungszeitprogramm spart rund 33.000 kWh Erdgas und etwa 6,7 t CO2 pro Jahr. Die Kosten reichen von 200 bis 1.500 € für die Neueinstellung eines vorhandenen Reglers bis 5.000 bis 15.000 € für einen neuen Regler oder eine Leittechnik-Anbindung. Bei 12 Jahren Nutzungsdauer liegt die Amortisation bei 1 bis 3 Jahren.

Energieträger

Erdgas, Heizöl, Pellet, Strom → Erdgas, Heizöl, Pellet, Strom

Einsparpotenzial

5-12 % (Wohngebäude), 10-20 % (Nichtwohngebäude)

Rechenbeispiel

Ein Bürogebäude mit 2.000 m² Nutzfläche hat einen Heizwärmebedarf von 200.000 kWh pro Jahr, gedeckt durch einen Gaskessel mit einem Wirkungsgrad von 0,90. Die Heizung läuft bisher ohne Nutzungszeitprogramm: Nachts, an Wochenenden und in Ferienzeiten wird das Gebäude mit derselben Vorlauftemperatur beheizt wie während der Bürozeiten. Im Zuge der Optimierung wird die Heizkurve an den tatsächlichen Bedarf angepasst und ein Zeitprogramm mit Absenkung außerhalb der Nutzungszeiten hinterlegt. Für ein Nichtwohngebäude ohne bisheriges Zeitprogramm wird der obere Einsparfaktor von 0,15 angesetzt. Die Endenergieeinsparung ergibt sich aus 200.000 × 0,15 / 0,90 = 33.333 kWh Erdgas pro Jahr. Mit dem Emissionsfaktor von 0,201 kg CO2/kWh entspricht das etwa 6,7 t CO2 jährlich. Da lediglich der bestehende Regler neu parametriert wird, amortisiert sich die Maßnahme innerhalb weniger Monate.

Investition & Amortisation

200-1.500 € (Reglereinstellung) bis 5.000-15.000 € (neuer Regler/Klima-Computer) · Nutzungsdauer: 12 a · Amortisation: 1-3 a

Anwendbarkeit

Voraussetzungen

Typische Objekte

Häufige Fragen

Was kostet die Optimierung einer Heizungsregelung?

Die Neueinstellung einer vorhandenen witterungsgeführten Regelung kostet 200 bis 1.500 €, je nach Aufwand für Analyse, Heizkurvenanpassung und Zeitprogramme. Muss ein neuer Regler mit Außenfühler oder eine Anbindung an die Gebäudeleittechnik installiert werden, liegen die Kosten bei 5.000 bis 15.000 €. Mit Einsparungen von 5 bis 20 % der Heizenergie amortisiert sich die Maßnahme in 1 bis 3 Jahren.

Wie stellt man die Heizkurve richtig ein?

Die Heizkurve wird schrittweise eingestellt: Zuerst wird das Niveau so weit abgesenkt, dass die Räume bei milden Außentemperaturen gerade noch warm werden, dann die Steilheit anhand kalter Tage angepasst. Als Startwerte gelten für Heizkörper eine Steilheit von 1,2 bis 1,6, für Fußbodenheizung 0,4 bis 0,6. Jede Änderung sollte einige Tage beobachtet werden. Alle Thermostatventile müssen dabei voll geöffnet sein.

Lohnt sich eine Nachtabsenkung bei einer Wärmepumpe?

Bei Wärmepumpen lohnt sich eine Nachtabsenkung nur in moderater Form von 1 bis 2 K. Eine starke Absenkung erfordert morgens hohe Vorlauftemperaturen zum Wiederaufheizen, was die Effizienz der Wärmepumpe deutlich verschlechtert. In gut gedämmten Gebäuden mit Fußbodenheizung ist die Trägheit so groß, dass die Absenkung kaum wirkt. Bei Gas- oder Pelletkesseln in Nichtwohngebäuden ist eine deutliche Absenkung dagegen sinnvoll.

Was ist der Unterschied zwischen witterungsgeführter und raumtemperaturgeführter Regelung?

Die witterungsgeführte Regelung steuert die Vorlauftemperatur nach der Außentemperatur über eine Heizkurve und reagiert damit vorausschauend auf das Wetter. Die raumtemperaturgeführte Regelung misst die Temperatur in einem Referenzraum und regelt danach – sie erfasst Fremdwärme wie Sonne oder Personen, aber nur in diesem Raum. Für Gebäude mit mehreren Räumen und Heizkreisen ist die witterungsgeführte Regelung Standard, oft ergänzt um Einzelraumregelung.

Welche Normen gelten für die Heizungsregelung in Gebäuden?

Für die Heizungsregelung sind die EN ISO 52120-1 zur Gebäudeautomation und die ÖNORM H 5056 zur Bewertung des Heizungsenergiebedarfs maßgeblich. Die EN ISO 52120-1 ordnet Regelfunktionen in Automationsklassen ein und ermöglicht die Bewertung ihres Einflusses auf den Energiebedarf. Die Methode zur Berechnung der Einsparung durch Regelungsoptimierung ist in der österreichischen Energieeffizienz-Richtlinienverordnung 2016 beschrieben.

Verwandte Maßnahmen

Normen & Quellen

Messpunkte in der EDM Toolbox

EDM Toolbox eignet sich hervorragend zum kontinuierlichen Monitoring: Außentemperatur, VL/RL, Raumtemperatur stichprobenartig - damit lässt sich die Heizkurve datenbasiert nachjustieren und der Abgleich-Erfolg dokumentieren.

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