Außenliegender beweglicher Sonnenschutz

Außen liegende Verschattung (Raffstore, Markise) reduziert solare Wärmegewinne in der Kühlperiode um bis zu 80 %.

Wie funktioniert außenliegender Sonnenschutz?

Sonnenstrahlung, die auf eine Verglasung trifft, gelangt zu einem großen Teil als Wärme in den Raum. Wie viel, beschreibt der g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad): Klares Dreifachglas hat etwa 0,7, Sonnenschutzglas rund 0,3. Innenliegende Jalousien ändern daran wenig, weil die Strahlung bereits durch das Glas ist und die Wärme im Raum bleibt. Außenliegende Raffstoren oder Markisen fangen die Strahlung dagegen vor der Scheibe ab. Der resultierende Gesamtwert g_tot aus Glas und Verschattung liegt dann unter 0,10, in der Praxis zwischen 0,05 und 0,15. Damit werden solare Wärmegewinne in der Kühlperiode um bis zu 80 % reduziert. Ideal ist eine automatisierte Steuerung nach Globalstrahlung und Sonnenstand mit Windwächter, damit die Lamellen bei starker Einstrahlung schließen und bei diffusem Licht wieder Tageslicht hereinlassen.

Für welche Gebäude lohnt sich außenliegender Sonnenschutz?

Die Maßnahme eignet sich für alle Gebäude mit größeren süd-, west- oder ostorientierten Glasflächen. Typische Objekte sind Bürogebäude mit hohem Verglasungsanteil, Schulen mit Überhitzungsproblemen in den Sommermonaten und Wohnbauten. Voraussetzung ist, dass die Fassade ohne Denkmalschutzkonflikt verändert werden darf; in Schutzzonen mit Verbot scheidet die Maßnahme aus. Besonders wirksam ist außenliegender Sonnenschutz in Gebäuden, die bisher ohne Kühlung auskommen mussten und im Sommer regelmäßig die Behaglichkeitsgrenzen nach ÖNORM B 8110-3 überschreiten. Der sommerliche Wärmeschutz lässt sich damit häufig ohne aktive Kälteanlage nachweisen.

Was bringt außenliegender Sonnenschutz konkret?

In gekühlten Gebäuden sinkt der Kühlbedarf um 20 bis 40 %. Die Stromeinsparung berechnet sich aus der besonnten Fensterfläche, der Solarstrahlung in der Kühlperiode (in Österreich rund 350 kWh/(m²·a)), der Differenz der g-Werte ohne und mit Verschattung sowie dem SEER der Kälteanlage. Für 150 m² besonnte Fensterfläche ergibt das rund 6.200 kWh/a Strom und etwa 1,0 t CO2 jährlich. Raffstoren inklusive Antrieb kosten 180 bis 380 €/m² und halten rund 20 Jahre. Die rein energetische Amortisation liegt bei 10 bis 20 Jahren, wobei der Komfortgewinn, die Vermeidung einer Klimaanlage und der Blendschutz an Bildschirmarbeitsplätzen nicht monetarisiert sind.

Energieträger

Strom → Strom

Einsparpotenzial

20-40 % Kühlbedarf

Rechenbeispiel

Ein Bürogebäude verfügt über 150 m² besonnte Fensterfläche auf der Süd- und Westseite, die bisher nur über innenliegende Jalousien verschattet wird. Die Verglasung hat einen g-Wert von 0,55, die Kälteanlage arbeitet mit einem SEER von 4. Nachgerüstet werden außenliegende, automatisch gesteuerte Raffstoren, mit denen der Gesamtenergiedurchlassgrad g_tot auf 0,08 sinkt. Mit einer Solarstrahlung von 350 kWh/(m²·a) in der Kühlperiode berechnet sich die Einsparung als E_einsp = 150 × 350 × (0,55 − 0,08) / 4 = 150 × 350 × 0,47 / 4 = 6.169 kWh/a. Der Kühlstromverbrauch sinkt damit um rund 6.200 kWh pro Jahr, was etwa 1,0 t CO2 entspricht. Hinzu kommen geringere Spitzenlasten der Kälteanlage an heißen Nachmittagen und ein besserer Blendschutz an den Arbeitsplätzen.

Investition & Amortisation

Raffstore inkl. Antrieb: 180-380 €/m² · Nutzungsdauer: 20 a · Amortisation: 10-20 (Komfortgewinn nicht monetarisiert) a

Anwendbarkeit

Voraussetzungen

Ausschlusskriterien

Typische Objekte

Häufige Fragen

Warum ist außenliegender Sonnenschutz wirksamer als innenliegende Jalousien?

Außenliegender Sonnenschutz hält die Sonnenstrahlung ab, bevor sie das Glas erreicht, innenliegende Jalousien erst danach. Bei innenliegenden Systemen ist die Wärme bereits im Raum und wird von den Lamellen nur umverteilt. Außenliegende Raffstoren senken den Gesamtenergiedurchlassgrad g_tot auf unter 0,10 und reduzieren die solaren Wärmegewinne um bis zu 80 %, innenliegende Systeme erreichen nur einen Bruchteil davon.

Wie viel Kühlenergie spart ein außenliegender Sonnenschutz?

Außenliegender Sonnenschutz senkt den Kühlbedarf eines Gebäudes um 20 bis 40 %. Bei 150 m² besonnter Fensterfläche und einer Kälteanlage mit SEER 4 sind das rund 6.200 kWh Strom pro Jahr. Die Einsparung hängt von der Orientierung der Fenster, dem g-Wert der Verglasung und der Automatisierung der Steuerung ab. In ungekühlten Gebäuden zeigt sich der Effekt als deutlich niedrigere Raumtemperatur.

Was kosten Raffstoren für ein Bürogebäude?

Außenliegende Raffstoren inklusive Motorantrieb kosten 180 bis 380 € pro Quadratmeter Fensterfläche, abhängig von Lamellentyp, Führungsschienen und Steuerung. Bei einer Nutzungsdauer von rund 20 Jahren liegt die rein energetische Amortisation bei 10 bis 20 Jahren. Wird dadurch eine Klimaanlage vermieden oder kleiner ausgelegt, verbessert sich die Wirtschaftlichkeit deutlich.

Braucht man eine automatische Steuerung für den Sonnenschutz?

Eine automatische Steuerung ist für die volle Wirkung empfehlenswert. Solargesteuerte Raffstoren schließen bei hoher Einstrahlung auch außerhalb der Nutzungszeit und öffnen bei diffusem Licht für mehr Tageslicht. Ein Windwächter schützt die Lamellen vor Sturmschäden. Manuell bediente Systeme werden in der Praxis oft zu spät geschlossen, wenn die Wärme bereits im Raum ist.

Was regelt die ÖNORM B 8110-3 zum sommerlichen Wärmeschutz?

Die ÖNORM B 8110-3 legt in Österreich fest, wie der sommerliche Wärmeschutz von Gebäuden nachzuweisen ist, etwa über die maximal zulässige operative Raumtemperatur ohne aktive Kühlung. Außenliegender Sonnenschutz mit niedrigem g_tot ist eines der wirksamsten Mittel, um diesen Nachweis zu erbringen. Die Kennwerte der Verschattung werden nach EN 14501 bewertet.

Verwandte Maßnahmen

Normen & Quellen

Messpunkte in der EDM Toolbox

Bewegungsdaten Raffstore + Globalstrahlung + Innenraumtemperatur als Dashboard zeigt Wirkung und ermöglicht Steuerungsoptimierung.

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