Mieterstrom-Modell (Gemeinschaftliche Erzeugungsanlage)
PV-Anlage am MFH-Dach versorgt direkt die Mieter mit günstigem Solarstrom ohne öffentliches Netz - Mieter zahlen reduzierten Tarif, Vermieter erhält stabile Erträge.
Wie funktioniert ein Mieterstrom-Modell?
Beim Mieterstrom versorgt eine PV-Anlage auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses die Wohnungen direkt über das Hausnetz, ohne Umweg über das öffentliche Netz. Die rechtliche Grundlage in Österreich ist die gemeinschaftliche Erzeugungsanlage (GEA) nach ElWOG § 16a. Die Smart Meter aller teilnehmenden Wohnungen liefern Viertelstundenwerte; der Netzbetreiber ordnet die PV-Erzeugung nach einem festgelegten Verteilschlüssel den Wohnungen zu, statisch nach fixen Anteilen oder dynamisch nach dem tatsächlichen Verbrauch. Der lokal verbrauchte Solarstrom ist für die Mieter frei von Netzentgelten und Abgaben, der Vermieter oder ein Betreiber verrechnet ihn zu einem Mieterstromtarif, der typisch 10 bis 15 % unter dem Netztarif liegt. Den Reststrom beziehen die Mieter weiterhin von ihrem frei gewählten Versorger. Für die Abrechnung sorgen spezialisierte Mess- und Abrechnungsdienstleister.
Für welche Gebäude lohnt sich Mieterstrom?
Voraussetzungen sind eine Vermieter-Mieter-Konstellation, eine PV-Anlage ab etwa 10 kWp, der Smart-Meter-Rollout für alle Wohneinheiten und die Anmeldung als GEA beim Netzbetreiber im Rahmen der E-Control-Vorgaben. Typische Objekte sind Neubauten und sanierte Mehrfamilienhäuser von Wohnbauträgern, aber auch Gewerbemieter im Erdgeschoss können teilnehmen. Bei Eigentumswohnungen mit getrennten Versorgungsverträgen ist ein Beschluss der Eigentümergemeinschaft nötig, sonst scheidet das Modell aus. Für die Wohnungswirtschaft ist Mieterstrom ein Alleinstellungsmerkmal, eine ESG-Kennzahl und ein Instrument der Mieterbindung.
Was bringt Mieterstrom konkret?
Teilnehmende Wohnungen senken ihren CO2-Fußabdruck beim Strom um 40 bis 70 %. Mieter zahlen im Standardfall 0,16 statt 0,22 €/kWh, Vermieter erhalten 0,16 €/kWh statt rund 0,07 €/kWh Einspeisetarif. Bei einem Mehrfamilienhaus mit 24 Wohneinheiten und 30 kWp PV sparen die Mieter zusammen rund 1.100 €/a, der Vermieter erzielt etwa 820 €/a Mehrertrag gegenüber reiner Einspeisung. Das Mess- und Abrechnungssetup kostet 300 bis 800 € einmalig pro Wohneinheit plus 50 bis 150 €/a für den Dienstleister, zusätzlich zu den üblichen PV-Kosten. Die Amortisation liegt bei 10 bis 15 Jahren, die Nutzungsdauer bei 25 Jahren.
Energieträger
Strom Netzbezug → Strom PV (gemeinschaftlich)
Einsparpotenzial
40-70 % CO2 für teilnehmende Wohnungen
Rechenbeispiel
Ein Wohnbauträger errichtet auf einem Mehrfamilienhaus mit 24 Wohneinheiten eine PV-Anlage mit 30 kWp, die 31.500 kWh/a erzeugt. Als gemeinschaftliche Erzeugungsanlage werden 60 % davon, also 18.900 kWh, direkt in den Wohnungen verbraucht; der Rest wird eingespeist. Die Mieter zahlen für den Solarstrom 0,16 €/kWh statt 0,22 €/kWh beim externen Versorger und sparen zusammen 18.900 × (0,22 − 0,16) = 1.134 €/a. Der Vermieter erhält für den lokal verbrauchten Strom 18.900 × 0,16 = 3.024 €/a. Hätte er die gesamte Erzeugung zum Einspeisetarif von 0,07 €/kWh abgegeben, wären es nur 31.500 × 0,07 = 2.205 € gewesen. Der Mehrertrag beträgt also 819 €/a. Im Ergebnis profitieren die Mieter mit rund 1.100 €/a, der Vermieter mit etwa 820 €/a, dazu kommen ESG-Kennzahl und Mieterbindung.
Investition & Amortisation
Mess-/Abrechnungssetup: 300-800 € einmalig pro WE + 50-150 €/a Dienstleister; PV-Standard-Kosten · Nutzungsdauer: 25 a · Amortisation: 10-15 a
Anwendbarkeit
Voraussetzungen
- MFH mit Vermieter + Mieter Konstellation
- PV ≥ 10 kWp
- Smart-Meter-Rollout für alle WE
- Anmeldung als GEA bei E-Control
Ausschlusskriterien
- Eigentumswohnungen mit getrennten Versorgungsverträgen ohne Gemeinschafts-Beschluss
Typische Objekte
- MFH-Neubau
- Sanierte MFH der Wohnbauträger
Häufige Fragen
Was ist eine gemeinschaftliche Erzeugungsanlage (GEA)?
Eine gemeinschaftliche Erzeugungsanlage nach ElWOG § 16a ist eine PV-Anlage auf einem Mehrparteienhaus, deren Strom über das Hausnetz direkt an mehrere Wohnungen oder Gewerbeeinheiten verteilt wird, ohne das öffentliche Netz zu nutzen. Der Netzbetreiber ordnet die Erzeugung über Smart-Meter-Viertelstundenwerte nach einem Verteilschlüssel zu. Für den lokal verbrauchten Strom entfallen Netzentgelte und Abgaben. Sie ist die österreichische Form des Mieterstroms.
Wie viel sparen Mieter mit Mieterstrom?
Mieter zahlen für den Solarstrom vom Dach typischerweise 10 bis 15 % weniger als beim externen Versorger, im Standardfall 0,16 statt 0,22 €/kWh, also 5 bis 10 ct/kWh weniger. Bei einem Haus mit 24 Wohnungen und 30 kWp PV summiert sich das auf rund 1.100 €/a für alle Mieter. Zugleich sinkt der CO2-Fußabdruck des Stromverbrauchs teilnehmender Wohnungen um 40 bis 70 %.
Lohnt sich Mieterstrom für den Vermieter?
Ja, weil der lokal verbrauchte Strom zum Mieterstromtarif von etwa 0,16 €/kWh verrechnet wird statt zum Einspeisetarif von rund 0,07 €/kWh. Bei 18.900 kWh/a lokalem Verbrauch ergibt das rund 820 €/a Mehrertrag gegenüber reiner Einspeisung. Dazu kommen ESG-Kennzahl, Vermarktungsvorteil und Mieterbindung. Die Amortisation liegt inklusive Abrechnungsaufwand bei 10 bis 15 Jahren.
Was kostet die Umsetzung von Mieterstrom pro Wohnung?
Das Mess- und Abrechnungssetup kostet einmalig 300 bis 800 € pro Wohneinheit, laufend 50 bis 150 € pro Wohneinheit und Jahr für den Abrechnungsdienstleister. Hinzu kommen die üblichen Kosten der PV-Anlage. Voraussetzung sind Smart Meter in allen Wohnungen, die der Netzbetreiber im Rahmen des Rollouts installiert. Die Nutzungsdauer der Anlage beträgt 25 Jahre.
Was ist der Unterschied zwischen Mieterstrom (GEA) und einer Energiegemeinschaft?
Eine gemeinschaftliche Erzeugungsanlage (GEA) funktioniert innerhalb eines Gebäudes über das Hausnetz und benötigt keine Vereinsgründung; für den lokal genutzten Strom entfallen Netzentgelte vollständig. Eine Energiegemeinschaft (EEG) verbindet mehrere Gebäude über das öffentliche Netz, braucht eine Rechtsform und erhält reduzierte, aber nicht entfallende Netzentgelte. Beide lassen sich kombinieren: Der GEA-Überschuss kann in eine EEG eingebracht werden.
Verwandte Maßnahmen
- PV-Anlage zur Stromeigenversorgung
- Batteriespeicher zur PV-Eigenverbrauchserhöhung
- Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG / BEG) - PV-Sharing im Quartier
- Energiemonitoring + Submetering (z.B. EDM Toolbox)
Normen & Quellen
- ElWOG 2010 §16a-c
- EAG 2021
Messpunkte in der EDM Toolbox
Submetering pro WE mit eigenem PV-Anteil ist DER Use-Case: 15-Min-Smart-Meter-Daten + Verteilungsschlüssel + revisionssichere Mieter-Abrechnung. EDM Toolbox vorprädestiniert (Multi-Tenant, mobile App für Mieter-Self-Service).