Tausch Standardkessel → Gas-Brennwertkessel

Ersatz eines alten Konstanttemperatur- oder Niedertemperaturkessels durch einen modernen Brennwertkessel mit Abgaskondensation.

Wie funktioniert ein Gas-Brennwertkessel?

Ein Gas-Brennwertkessel nutzt zusätzlich zur Verbrennungswärme die Kondensationswärme des Wasserdampfs im Abgas. Bei Standard- und Niedertemperaturkesseln entweicht dieser Dampf mit 120 bis 180 °C ungenutzt durch den Kamin. Im Brennwertkessel wird das Abgas im Wärmetauscher so weit abgekühlt, dass der Dampf kondensiert und seine latente Wärme an das Heizwasser abgibt. Dadurch steigt der Jahresnutzungsgrad, bezogen auf den Heizwert, von rund 78 % auf bis zu 98 %. Voraussetzung für die Kondensation ist eine niedrige Rücklauftemperatur, idealerweise unter 50 °C. Das anfallende Kondensat ist leicht sauer und wird über einen Ablauf in die Kanalisation geleitet; der Kamin muss feuchteunempfindlich sein, meist durch ein Kunststoff-Innenrohr.

Für welche Gebäude lohnt sich der Tausch auf Brennwert?

Der Tausch eignet sich für Bestandsgebäude mit Gasanschluss, deren Kessel älter als 15 bis 20 Jahre ist: Ein- und Mehrfamilienhäuser bis etwa 20 Wohneinheiten. Benötigt werden ein säurefester Kamin oder eine Kaminsanierung mit PP-Innenrohr sowie ein Kondensatabfluss. Je niedriger die Vorlauftemperatur des Heizsystems, desto größer der Brennwertnutzen; ein hydraulischer Abgleich und eine angepasste Heizkurve holen das Maximum heraus. Wichtig für die Einordnung: Der Brennwertkessel bleibt eine fossile Technologie und sollte nur als Übergangslösung gesehen werden. Steht ohnehin ein Ölkesseltausch an, ist der direkte Wechsel auf Wärmepumpe, Biomasse oder Fernwärme vorzuziehen. Auch bei Gas ist zu prüfen, ob eine erneuerbare Alternative wirtschaftlich darstellbar ist.

Was bringt der Brennwertkessel konkret?

Der Erdgasverbrauch sinkt um 15 bis 25 %. Ein Einfamilienhaus mit 22.000 kWh Nutzwärme spart rund 5.500 kWh Erdgas und etwa 1,1 t CO2 pro Jahr. Die Investition liegt bei 5.000 bis 9.000 € im Einfamilienhaus, die Nutzungsdauer bei 18 Jahren. Damit amortisiert sich der Tausch in 5 bis 9 Jahren – kurz genug, um die Zeit bis zu einer späteren Umstellung auf ein erneuerbares System wirtschaftlich zu überbrücken.

Energieträger

Erdgas → Erdgas

Einsparpotenzial

15-25 %

Rechenbeispiel

Ein Einfamilienhaus mit 180 m² Wohnfläche hat einen jährlichen Nutzwärmebedarf von 22.000 kWh für Heizung und Warmwasser. Der vorhandene Standardkessel arbeitet mit einem Jahresnutzungsgrad von 0,78 und verbraucht dafür 28.205 kWh Erdgas pro Jahr. Ein neuer Brennwertkessel mit einem Nutzungsgrad von 0,97 kommt für die gleiche Wärmemenge mit 22.680 kWh aus. Die Einsparung ergibt sich aus 22.000 × (1/0,78 − 1/0,97) = 22.000 × (1,282 − 1,031) = 22.000 × 0,251 = 5.523 kWh/a. Mit dem Emissionsfaktor für Erdgas von 0,201 kg CO2/kWh entspricht das einer CO2-Reduktion von etwa 1,1 t pro Jahr. Bei Investitionskosten von 5.000 bis 9.000 € und einer Nutzungsdauer von 18 Jahren amortisiert sich der Tausch in 5 bis 9 Jahren.

Investition & Amortisation

5.000-9.000 € (EFH) · Nutzungsdauer: 18 a · Amortisation: 5-9 a

Anwendbarkeit

Voraussetzungen

Ausschlusskriterien

Typische Objekte

Häufige Fragen

Was kostet ein Gas-Brennwertkessel inklusive Einbau?

Ein Gas-Brennwertkessel kostet im Einfamilienhaus 5.000 bis 9.000 € inklusive Montage und hydraulischer Einbindung. Hinzu kommen gegebenenfalls Kosten für die Kaminsanierung mit einem säurefesten Kunststoff-Innenrohr sowie für den Kondensatablauf. Bei einer Einsparung von 15 bis 25 % Erdgas amortisiert sich die Investition in 5 bis 9 Jahren. Die Nutzungsdauer liegt bei rund 18 Jahren.

Braucht ein Brennwertkessel einen neuen Kamin?

Ein Brennwertkessel braucht einen feuchteunempfindlichen und säurebeständigen Abgasweg, weil das Abgas kühl und das Kondensat leicht sauer ist. Ein gemauerter Kamin muss daher in der Regel mit einem Kunststoff- oder Edelstahl-Innenrohr saniert werden. Ein kompletter Neubau des Kamins ist selten nötig. Die Auslegung erfolgt nach ÖNORM EN 13384; der Rauchfangkehrer prüft die Eignung vor dem Einbau.

Was ist der Unterschied zwischen Niedertemperatur- und Brennwertkessel?

Ein Niedertemperaturkessel senkt die Kesseltemperatur je nach Bedarf ab, führt das Abgas aber ungenutzt mit 120 bis 180 °C ab. Ein Brennwertkessel kühlt das Abgas zusätzlich so weit, dass der enthaltene Wasserdampf kondensiert und seine Wärme an das Heizwasser abgibt. Dadurch steigt der Jahresnutzungsgrad von etwa 80 bis 85 % auf 95 bis 98 %. Voraussetzung ist eine niedrige Rücklauftemperatur unter etwa 50 °C.

Lohnt sich ein Brennwertkessel angesichts des geplanten Gasausstiegs noch?

Ein Brennwertkessel lohnt sich wirtschaftlich, wenn ein alter Gaskessel kurzfristig ersetzt werden muss und ein Umstieg auf Wärmepumpe, Biomasse oder Fernwärme aktuell nicht möglich ist. Mit 5 bis 9 Jahren Amortisation ist er als Übergangslösung vertretbar. Langfristig ist er jedoch keine Dekarbonisierungsmaßnahme, da der Energieträger fossil bleibt. Bei einem anstehenden Ölkesseltausch sollte direkt auf ein erneuerbares System gewechselt werden.

Wie hoch darf die Vorlauftemperatur bei Brennwerttechnik sein?

Die Vorlauftemperatur sollte bei Brennwerttechnik möglichst unter 60 °C liegen, entscheidend ist aber die Rücklauftemperatur: Nur wenn sie unter dem Taupunkt des Abgases von etwa 55 °C liegt, kondensiert der Wasserdampf und der Brennwerteffekt tritt ein. Je niedriger die Systemtemperaturen, desto höher der Nutzungsgrad. Ein hydraulischer Abgleich und eine flach eingestellte Heizkurve verbessern die Kondensation spürbar.

Verwandte Maßnahmen

Normen & Quellen

Messpunkte in der EDM Toolbox

Empfohlen: Wärmemengenzähler + Gaszähler (M-Bus) zur Berechnung des realen Jahresnutzungsgrades. Vorlauftemperatur monitoren - hohe VL-Temperaturen reduzieren Brennwertnutzen.

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