Innendämmung Außenwand
Anbringung der Dämmschicht raumseitig - dort einsetzbar, wo Außendämmung ausgeschlossen ist (Denkmalschutz, Platzmangel, gegliederte historische Fassade).
Wie funktioniert eine Innendämmung der Außenwand?
Bei der Innendämmung wird die Dämmschicht raumseitig auf die Außenwand aufgebracht, meist in Stärken von 8 bis 10 cm. Anders als bei der Außendämmung bleibt das Mauerwerk kalt, weil es außerhalb der Dämmebene liegt. Das macht die Maßnahme bauphysikalisch anspruchsvoll: Warme, feuchte Raumluft darf nicht in die kalte Wand diffundieren und dort als Tauwasser ausfallen. Bewährt haben sich deshalb kapillaraktive Systeme aus Kalziumsilikat oder Mineralschaum, die Feuchte aufnehmen und wieder abgeben, sowie dampfdiffusionsoffene Holzfaseraufbauten. Alternativ wird eine Dampfsperre, also eine Folie, die den Wasserdampfdurchgang unterbindet, raumseitig lückenlos verlegt. Wärmebrücken an einbindenden Innenwänden, Geschoßdecken und Holzbalkenköpfen wirken bei Innendämmung stärker als bei Außendämmung und müssen mit Dämmkeilen oder Flankendämmung entschärft werden. Bei korrekter Planung sinkt der U-Wert von etwa 1,5 auf etwa 0,35 W/(m²·K).
Für welche Gebäude lohnt sich eine Innendämmung?
Die Innendämmung ist die Lösung, wenn eine Außendämmung ausgeschlossen ist. Typische Fälle sind denkmalgeschützte Bauten und gegliederte historische Fassaden, Gebäude an der Grundstücksgrenze ohne Platz nach außen sowie einzelne Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, in denen die Eigentümergemeinschaft keine Fassadensanierung beschließt. Voraussetzung ist eine bauphysikalische Beurteilung des Wandaufbaus, ein Feuchtemanagement und die Lokalisierung von Bestandsleitungen in der Wand. Wo eine Außendämmung technisch möglich ist, ist sie stets vorzuziehen, da sie wirksamer und risikoärmer ist.
Was bringt eine Innendämmung konkret?
Die Heizenergieeinsparung liegt bei 15 bis 30 %, bezogen auf die gedämmten Wandflächen. Der Wärmebrückenfaktor wird mit 0,70 angesetzt und damit deutlich ungünstiger als bei Außendämmung, weil die Flankenverluste größer bleiben. Für eine 80-m²-Wohnung mit 50 m² innengedämmter Außenwand ergibt sich eine Einsparung von rund 3.600 kWh Erdgas pro Jahr, entsprechend etwa 730 kg CO2. Die Investition beträgt 120 bis 280 €/m², wobei Kalziumsilikat am oberen Ende liegt. Bei 35 Jahren Nutzungsdauer amortisiert sich die Maßnahme in 15 bis 25 Jahren. Ein Nebeneffekt ist die deutlich höhere Oberflächentemperatur der Wand, die Behaglichkeit und Schimmelsicherheit verbessert.
Energieträger
Erdgas, Heizöl, Pellet, Fernwärme, Strom → Erdgas, Heizöl, Pellet, Fernwärme, Strom
Einsparpotenzial
15-30 %
Rechenbeispiel
In einem gründerzeitlichen Mehrfamilienhaus mit geschützter Fassade soll eine 80 m² große Wohnung energetisch verbessert werden. Da eine Außendämmung nicht zulässig ist, werden die 50 m² Außenwandfläche der Wohnung raumseitig gedämmt. Der Bestand hat einen U-Wert von 1,4 W/(m²·K), nach der Innendämmung werden 0,35 W/(m²·K) erreicht. Der Standort hat 3.500 Heizgradtage, geheizt wird mit Gas bei 85 % Wirkungsgrad. Weil Wärmebrücken an Decken und Innenwänden bei Innendämmung stärker wirken, wird ein Korrekturfaktor von 0,70 angesetzt. Die Rechnung lautet: 50 × (1,4 − 0,35) × 3.500 × 0,024 / 0,85 × 0,70 = 3.633 kWh/a. Die Wohnung spart somit rund 3.600 kWh Erdgas pro Jahr, was etwa 730 kg CO2 entspricht.
Investition & Amortisation
120-280 €/m² (Kalziumsilikat höchstpreisig) · Nutzungsdauer: 35 a · Amortisation: 15-25 a
Anwendbarkeit
Voraussetzungen
- Bauphysikalische Beurteilung
- Dampfsperre/Feuchtemanagement
- Bestandsleitungen lokalisieren
Ausschlusskriterien
- Außendämmung möglich (immer vorzuziehen)
Typische Objekte
- Denkmalgeschützte Bauten
- Wohnungen in MFH ohne Außenwand-Zugang
Häufige Fragen
Was kostet eine Innendämmung pro Quadratmeter?
Eine Innendämmung kostet 120 bis 280 €/m² Wandfläche inklusive Montage und Oberflächenfinish. Kalziumsilikatplatten liegen am oberen Ende der Spanne, Mineralschaum und Holzfasersysteme darunter. Hinzu kommen Kosten für die bauphysikalische Planung, die Verlegung von Heizkörpern, Steckdosen und Leitungen sowie Anschlussdetails an Fensterlaibungen. Der Wohnflächenverlust von 8 bis 10 cm je Außenwand sollte bei der Wirtschaftlichkeit mitbedacht werden.
Braucht eine Innendämmung eine Dampfsperre?
Das hängt vom System ab. Kapillaraktive Dämmstoffe wie Kalziumsilikat oder Mineralschaum kommen ohne Dampfsperre aus, weil sie anfallendes Tauwasser aufnehmen und bei trockener Raumluft wieder abgeben. Bei Mineralwolle oder Hartschaum ist eine raumseitige Dampfsperre oder Dampfbremse zwingend und muss an allen Anschlüssen luftdicht verklebt sein. Der Nachweis des Tauwasserschutzes erfolgt nach ÖNORM B 8110-2 beziehungsweise DIN 4108-3 und dem WTA-Merkblatt 6-4.
Ist Innendämmung bei Denkmalschutz erlaubt?
Ja, die Innendämmung ist die Standardlösung für denkmalgeschützte Gebäude, weil das äußere Erscheinungsbild unverändert bleibt. In Österreich ist dennoch eine Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt erforderlich, insbesondere wenn historische Innenausstattungen wie Stuck oder Holzvertäfelungen betroffen sind. Bei Holzbalkendecken ist die Einbindung der Balkenköpfe in die kalte Wand ein kritisches Detail, das eine Feuchtemessung oder Sensorik zur Überwachung rechtfertigt.
Was ist der Unterschied zwischen Innendämmung und Außendämmung?
Bei der Außendämmung liegt das Mauerwerk innerhalb der warmen Dämmebene, speichert Wärme und bleibt trocken; Wärmebrücken sind leicht beherrschbar. Bei der Innendämmung bleibt die Wand kalt, die Speichermasse geht verloren und Anschlüsse an Decken und Innenwände bilden verstärkte Wärmebrücken. Deshalb sind mit Innendämmung nur U-Werte um 0,35 W/(m²·K) sinnvoll erreichbar, mit Außendämmung 0,15 bis 0,20 W/(m²·K). Außendämmung ist daher immer vorzuziehen, wenn sie möglich ist.
Wie dick darf eine Innendämmung maximal sein?
In der Praxis werden 8 bis 10 cm empfohlen, je nach System auch nur 5 bis 6 cm. Je dicker die Innendämmung, desto kälter wird das dahinterliegende Mauerwerk und desto tiefer wandert die Tauwasserebene in die Wand. Dickere Aufbauten steigern das Feuchterisiko, bringen aber energetisch nur noch wenig Zusatznutzen. Der resultierende U-Wert liegt daher meist zwischen 0,25 und 0,50 W/(m²·K).
Verwandte Maßnahmen
- Fenstertausch (3-fach Wärmeschutzverglasung)
- Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung (zentral/semi-dezentral)
Normen & Quellen
- WTA 6-4
- ÖNORM B 8110-2
- DIN 4108-3
Messpunkte in der EDM Toolbox
Oberflächentemperatur- und Feuchtesensoren in kritischen Bereichen (Balkenköpfe, Innenecken) helfen, ein Tauwasserrisiko frühzeitig zu erkennen. Empfohlen: kombinierte T/rH-Sensoren mit Funkanbindung.