Fenstertausch (3-fach Wärmeschutzverglasung)
Ersatz alter 1- oder 2-fach verglaster Fenster durch moderne 3-fach Wärmeschutzverglasung mit thermisch getrenntem Rahmen.
Wie funktioniert ein Fenstertausch mit 3-fach Verglasung?
Fenster sind pro Quadratmeter die schwächsten Bauteile der Gebäudehülle. Ein 2-fach verglastes Fenster aus den 1980er-Jahren hat einen Uw-Wert von etwa 2,8 W/(m²·K), ein altes Holzfenster mit Einfachverglasung sogar 4 bis 5 W/(m²·K). Der Uw-Wert beschreibt den Wärmedurchgang des gesamten Fensters aus Glas und Rahmen. Moderne 3-fach Wärmeschutzverglasung kombiniert drei Scheiben mit Edelgasfüllung und Wärmeschutzbeschichtungen in einem thermisch getrennten Rahmen aus Holz, Holz-Alu oder Kunststoff und erreicht Uw-Werte von 0,90 W/(m²·K) und darunter. Entscheidend für die Wirkung ist der fachgerechte Einbau: Das Fenster wird in der Dämmebene positioniert, die Laibung gedämmt und die Anschlussfuge nach ÖNORM B 5320 innen luftdicht und außen schlagregendicht ausgeführt. Nur so bleiben Wärmebrücken am Fensterrand klein.
Für welche Gebäude lohnt sich ein Fenstertausch?
Der Fenstertausch kommt für alle Gebäudetypen in Frage, in denen 1-fach oder ältere 2-fach verglaste Fenster verbaut sind. Besonders sinnvoll ist er in Kombination mit einer Fassadendämmung, weil dann Fensterposition und Dämmebene aufeinander abgestimmt werden können. Da neue Fenster wesentlich dichter schließen als alte, entfällt der bisherige unkontrollierte Luftwechsel über Fugen. Ein Lüftungskonzept, gegebenenfalls mit einer Wohnraumlüftung, ist deshalb Voraussetzung, um Feuchteschäden und Schimmel zu vermeiden. Bei denkmalgeschützten Gebäuden mit erhaltenswerten Originalfenstern ist die Sanierung der Kastenfenster die verträglichere Alternative.
Was bringt ein Fenstertausch konkret?
Die Heizenergieeinsparung liegt bei 15 bis 25 %. Für ein Mehrfamilienhaus mit 24 Fenstern und 43,2 m² Fensterfläche ergeben sich rund 7.100 kWh Erdgas pro Jahr, entsprechend etwa 1,4 t CO2. Die Kosten liegen bei 550 bis 900 €/m² Fensterfläche inklusive Einbau, die Amortisation bei 20 bis 35 Jahren bei einer Nutzungsdauer von 35 Jahren. Rein energetisch rechnet sich der Fenstertausch also langsamer als Dämmmaßnahmen. Der Komfortgewinn ist jedoch erheblich: Die innere Scheibenoberfläche bleibt über 17 °C, Kaltluftströmungen entfallen, und der Schallschutz verbessert sich deutlich.
Energieträger
Erdgas, Heizöl, Pellet, Fernwärme, Strom → Erdgas, Heizöl, Pellet, Fernwärme, Strom
Einsparpotenzial
15-25 %
Rechenbeispiel
In einem Mehrfamilienhaus sollen 24 Fenster mit je 1,8 m² Fläche, insgesamt 43,2 m², getauscht werden. Die vorhandenen 2-fach verglasten Fenster aus den 1980er-Jahren haben einen Uw-Wert von 2,8 W/(m²·K). Die neuen 3-fach verglasten Fenster mit thermisch getrenntem Rahmen erreichen 0,85 W/(m²·K). Das Gebäude wird mit einem Gaskessel mit 90 % Wirkungsgrad beheizt, der Standort hat 3.500 Heizgradtage. Mit dem Korrekturfaktor 0,90 für Einbau und Nutzung ergibt sich: 43,2 × (2,8 − 0,85) × 3.500 × 0,024 / 0,90 × 0,90 = 7.075 kWh/a. Das Gebäude spart damit rund 7.100 kWh Erdgas pro Jahr und etwa 1,4 t CO2. Hinzu kommt ein erheblicher Komfortgewinn durch zugfreie Räume und besseren Schallschutz.
Investition & Amortisation
550-900 €/m² Fenster inkl. Einbau · Nutzungsdauer: 35 a · Amortisation: 20-35 a
Anwendbarkeit
Voraussetzungen
- Wärmebrückenfreie Montage
- Laibungsdämmung
- Lüftungskonzept (dichte Fenster + ggf. Wohnungslüftung gegen Feuchteprobleme)
Ausschlusskriterien
- Denkmalschutz mit Originalfenster-Erhalt → Kastenfenster-Sanierung
Typische Objekte
- Alle Gebäudetypen
Häufige Fragen
Was kostet ein Fenstertausch mit 3-fach Verglasung?
Neue Fenster mit 3-fach Wärmeschutzverglasung kosten 550 bis 900 €/m² Fensterfläche inklusive Ausbau der Altfenster und Einbau. Ein Standardfenster mit 1,8 m² liegt damit bei etwa 1.000 bis 1.600 €. Holz-Alu-Rahmen, Sonderformen, Sonnenschutz und aufwendige Laibungsarbeiten erhöhen den Preis. Der Aufpreis von 3-fach gegenüber 2-fach Verglasung ist heute gering und energetisch fast immer gerechtfertigt.
Verursachen neue dichte Fenster Schimmel?
Nicht die Fenster selbst, sondern fehlendes Lüften nach dem Fenstertausch. Alte undichte Fenster sorgten für einen ständigen Luftwechsel über Fugen; neue Fenster schließen dicht, sodass Feuchte aus Kochen, Duschen und Atmen im Raum bleibt. Ohne regelmäßiges Stoßlüften oder eine Wohnraumlüftung kondensiert sie an kalten Wandflächen. Deshalb ist ein Lüftungskonzept Voraussetzung, und die Fensterlaibung sollte gedämmt werden, damit dort keine kalte Stelle entsteht.
Welcher U-Wert ist bei neuen Fenstern in Österreich vorgeschrieben?
Die OIB-Richtlinie 6 verlangt bei der Sanierung in Österreich einen Uw-Wert von höchstens 1,1 W/(m²·K) für Fenster. Stand der Technik bei 3-fach Verglasung sind 0,8 bis 0,9 W/(m²·K), Passivhausfenster erreichen 0,7 W/(m²·K). Die Anforderungen gelten für das Gesamtfenster aus Glas und Rahmen; der Ug-Wert der Verglasung allein liegt bei 3-fach Glas typischerweise bei 0,5 bis 0,7 W/(m²·K).
Lohnt sich ein Fenstertausch ohne Fassadendämmung?
Ja, wenn die Altfenster einen Uw-Wert über 2,5 W/(m²·K) haben. Bauphysikalisch ist zu beachten, dass die neuen Fenster dann die wärmste Fläche der Außenwand sind und Tauwasser an ungedämmten Wandbereichen und Laibungen ausfallen kann. Lüftungskonzept und gedämmte Laibungen sind daher Pflicht. Ideal ist die Kombination beider Maßnahmen, weil Fensterposition und Dämmebene dann aufeinander abgestimmt werden können und keine doppelten Anschlussarbeiten anfallen.
Was ist der Unterschied zwischen Uw-Wert und Ug-Wert?
Der Ug-Wert beschreibt den Wärmedurchgang der Verglasung allein, der Uw-Wert den des gesamten Fensters inklusive Rahmen und Glasrandverbund. Weil Rahmen und Randverbund schlechter dämmen als das Glas, liegt der Uw-Wert immer über dem Ug-Wert. Für die Energiebilanz und für Förderungen ist der Uw-Wert maßgeblich. Beim Vergleich von Angeboten sollte daher immer der Uw-Wert für die konkrete Fenstergröße angefragt werden.
Verwandte Maßnahmen
- Fassadendämmung (WDVS oder vorgehängte hinterlüftete Fassade)
- Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung (zentral/semi-dezentral)
Normen & Quellen
- ÖNORM B 5320
- ÖNORM EN 14351-1
- OIB-RL 6
Messpunkte in der EDM Toolbox
Beim Fenstertausch oft Anlass für Lüftungskonzept - hier passt CO2-/Feuchtemonitoring in Wohnungen ideal als Datengrundlage für richtigen Lüftungsbetrieb.