Fassadendämmung (WDVS oder vorgehängte hinterlüftete Fassade)
Aufbringen einer Dämmebene auf die Außenwand - klassisches WDVS oder vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF).
Wie funktioniert eine Fassadendämmung?
Die Außenwand ist bei den meisten Bestandsgebäuden der flächenmäßig größte Bauteil der Gebäudehülle und damit ein wesentlicher Wärmeverlustpfad. Eine Fassadendämmung bringt außenseitig eine durchgehende Dämmebene auf und senkt so den U-Wert der Wand, also den Wärmedurchgangskoeffizienten in W/(m²·K). Zwei Systeme sind üblich: Beim Wärmedämmverbundsystem (WDVS) werden Dämmplatten direkt auf das Mauerwerk geklebt und gedübelt und mit Armierung und Putz abgeschlossen. Bei der vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) sitzt die Dämmung auf einer Unterkonstruktion, davor liegen eine Luftschicht und die Bekleidung. Mit 14 bis 20 cm Dämmstoff (λ = 0,035 W/(m·K)) sinkt der U-Wert einer typischen Altbauwand von 1,2 bis 1,6 auf 0,15 bis 0,20 W/(m²·K). Entscheidend ist die Planung der Wärmebrücken, also jener Stellen wie Balkonplatten, Fensterstürze, Sockel und Attika, an denen die Dämmebene unterbrochen wird und überproportional viel Wärme abfließt.
Für welche Gebäude lohnt sich eine Fassadendämmung?
Die Maßnahme eignet sich für Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser, Bürogebäude und Schulen mit tragfähiger, ungedämmter Außenwand. Besonders wirtschaftlich ist sie, wenn ohnehin eine Putz- oder Fassadensanierung ansteht, weil Gerüst und Oberflächenarbeiten dann nicht allein der Dämmung zugerechnet werden. Im Mehrgeschoßbau sind Brandschutzanforderungen an Dämmstoff und Brandriegel zu beachten. Bei denkmalgeschützten oder stark gegliederten Fassaden scheidet eine Außendämmung häufig aus; hier bleibt die Innendämmung als Alternative. Bei zweischaligem Mauerwerk kann eine Einblasdämmung des Hohlraums die günstigere Lösung sein. Eine VHF mit Holzfaser oder Zellulose bietet sich an, wenn ökologische Kriterien und Kreislauffähigkeit im Vordergrund stehen.
Was bringt eine Fassadendämmung konkret?
Die Heizenergieeinsparung liegt typischerweise bei 25 bis 40 %. Rechnerisch ergibt sie sich aus Fassadenfläche, U-Wert-Differenz, Heizgradtagen des Standorts und Wirkungsgrad der Heizung; ein Korrekturfaktor von 0,85 berücksichtigt Wärmebrücken und reales Nutzerverhalten. Für ein Mehrfamilienhaus mit 600 m² opaker Fassade ergibt das rund 61.500 kWh Erdgas pro Jahr, entsprechend etwa 12,4 t CO2. Die Investition liegt bei 150 bis 220 €/m² für WDVS und 250 bis 380 €/m² für VHF mit Holzfaser. Bei 40 Jahren Nutzungsdauer amortisiert sich die Maßnahme in 15 bis 30 Jahren, deutlich schneller bei ohnehin fälliger Fassadensanierung oder in Kombination mit Fenstertausch und Heizungsoptimierung.
Energieträger
Erdgas, Heizöl, Pellet, Fernwärme, Strom → Erdgas, Heizöl, Pellet, Fernwärme, Strom
Einsparpotenzial
25-40 % Heizenergie
Rechenbeispiel
Ein Mehrfamilienhaus aus der Nachkriegszeit hat 600 m² opake Fassadenfläche aus 38 cm Ziegelmauerwerk ohne Dämmung. Der U-Wert der Bestandswand liegt bei 1,4 W/(m²·K), beheizt wird mit einem Gaskessel mit 85 % Wirkungsgrad, der Standort hat 3.500 Heizgradtage. Nach dem Aufbringen eines Wärmedämmverbundsystems erreicht die Wand einen U-Wert von 0,18 W/(m²·K). Die Einsparung berechnet sich aus Fläche mal U-Wert-Differenz mal Heizgradtagen mal 24 Stunden, geteilt durch 1.000 und den Kesselwirkungsgrad, multipliziert mit dem Wärmebrückenfaktor 0,85: 600 × (1,4 − 0,18) × 3.500 × 0,024 / 0,85 × 0,85 = 61.488 kWh/a. Das Gebäude spart damit rund 61.500 kWh Erdgas pro Jahr, was bei einem Emissionsfaktor von 0,201 kg/kWh etwa 12,4 t CO2 jährlich entspricht.
Investition & Amortisation
WDVS: 150-220 €/m²; VHF Holzfaser: 250-380 €/m² · Nutzungsdauer: 40 a · Amortisation: 15-30 a
Anwendbarkeit
Voraussetzungen
- Tragfähige Außenwand
- Klärung Wärmebrückendetails (Sockel, Sturz, Attika, Balkon)
- Brandschutz im Mehrgeschoßbau
Ausschlusskriterien
- Denkmalschutz mit Auflagen → siehe Innendämmung geb-huelle-002
Typische Objekte
- EFH
- MFH
- Bürogebäude
- Schulen
Häufige Fragen
Was kostet eine Fassadendämmung pro Quadratmeter?
Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) kostet 150 bis 220 €/m² Fassadenfläche, eine vorgehängte hinterlüftete Fassade mit Holzfaserdämmung 250 bis 380 €/m². Enthalten sind Gerüst, Dämmstoff, Befestigung und Oberfläche. Steht ohnehin eine Putzsanierung an, entfällt ein großer Teil der Zusatzkosten, weil Gerüst und Oberflächenarbeiten in beiden Fällen anfallen. Wärmebrückendetails an Balkonen und Fensterlaibungen können den Preis spürbar erhöhen.
Wie dick muss die Fassadendämmung sein?
Für einen U-Wert von 0,15 bis 0,20 W/(m²·K) sind 14 bis 20 cm Dämmstoff mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/(m·K) erforderlich. Die OIB-Richtlinie 6 verlangt bei Sanierungen in Österreich einen U-Wert von höchstens 0,25 W/(m²·K), Passivhausstandard liegt bei 0,12 W/(m²·K). Bei dickeren Dämmstärken steigt die Einsparung nur noch geringfügig, weshalb 16 bis 18 cm in der Praxis ein guter Kompromiss sind.
Was ist der Unterschied zwischen WDVS und vorgehängter hinterlüfteter Fassade?
Beim WDVS werden die Dämmplatten direkt auf die Wand geklebt und gedübelt, anschließend verputzt. Bei der vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) sitzt die Dämmung auf einer Unterkonstruktion, davor liegt ein belüfteter Spalt und eine Bekleidung aus Holz, Metall oder Platten. Die VHF ist teurer, aber robuster gegen Feuchte und Algenbewuchs, leichter rückbaubar und mit Naturdämmstoffen wie Holzfaser oder Zellulose kombinierbar.
Lohnt sich eine Fassadendämmung bei einem Altbau mit Denkmalschutz?
Bei Denkmalschutz mit Auflagen zum Erhalt der Fassade ist eine Außendämmung in der Regel nicht zulässig. In diesem Fall ist eine Innendämmung die technische Alternative, mit der U-Werte um 0,35 W/(m²·K) erreichbar sind. Bei zweischaligem Mauerwerk kann auch eine Einblasdämmung des Hohlraums ohne Änderung der Fassadenoptik in Frage kommen. Die Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt in Österreich ist vor der Planung zwingend.
Wie schnell amortisiert sich eine Fassadendämmung?
Die Amortisationszeit einer Fassadendämmung liegt bei 15 bis 30 Jahren, bei einer Nutzungsdauer von rund 40 Jahren. Je schlechter der Bestand und je höher der Energiepreis, desto schneller rechnet sich die Maßnahme. Wird die Dämmung mit einer ohnehin notwendigen Fassadensanierung kombiniert, verkürzt sich die Amortisation deutlich, weil nur die Mehrkosten der Dämmebene gegengerechnet werden müssen.
Verwandte Maßnahmen
- Fenstertausch (3-fach Wärmeschutzverglasung)
- Dämmung oberste Geschossdecke / Dachboden
- Heizungstausch: Ölkessel → Wärmepumpe (Luft/Wasser oder Sole/Wasser)
- Anschluss an Fernwärme
- Absenkung der Vorlauftemperatur (Heizkurvenoptimierung)
Normen & Quellen
- ÖNORM B 8110-1
- ÖNORM B 6400
- ETAG 004 (WDVS)
Messpunkte in der EDM Toolbox
Erfolgsmonitoring via Wärmemengenzähler im Heizkreis + witterungsbereinigtem Vergleich (HGT-Korrektur über LineMetrics-Wetterdatenanbindung). Optional Oberflächentemperatur-Sensoren an kritischen Wärmebrückendetails.