Heizungstausch: Ölkessel → Wärmepumpe (Luft/Wasser oder Sole/Wasser)
Ersatz einer öl- oder gasbefeuerten Heizung durch eine elektrische Wärmepumpe. Reduziert Endenergie deutlich (Faktor 3-4) und ersetzt fossile Energie vollständig.
Wie funktioniert der Umstieg von Ölheizung auf Wärmepumpe?
Eine Wärmepumpe entzieht der Umgebung – Außenluft, Erdreich oder Grundwasser – Wärme auf niedrigem Temperaturniveau und hebt sie über einen Kältekreislauf mit Kompressor auf die für Heizung und Warmwasser nötige Temperatur. Strom wird nur für den Antrieb des Kompressors benötigt. Das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom über ein ganzes Jahr heißt Jahresarbeitszahl (JAZ). Luft/Wasser-Wärmepumpen erreichen typisch 3,0 bis 4,0, Sole/Wasser-Anlagen mit Tiefenbohrung 4,0 bis 4,8. Aus einer Kilowattstunde Strom werden damit drei bis fünf Kilowattstunden Wärme. Ein alter Ölkessel setzt dagegen nur 70 bis 80 % des Brennstoffs in Nutzwärme um. Beim Tausch wird der Öltank stillgelegt und die Wärmepumpe an das bestehende wasserführende Verteilsystem angebunden.
Für welche Gebäude lohnt sich eine Wärmepumpe im Bestand?
Entscheidend ist weniger das Baujahr als die benötigte Vorlauftemperatur. Liegt sie bei etwa 50 °C oder darunter, arbeitet die Wärmepumpe effizient – typisch bei gedämmten Gebäuden, Fußbodenheizung oder großzügig dimensionierten Heizkörpern. Als Richtwert gilt eine Heizlast unter 50 W/m². Ein einfacher Praxistest: Wird das Gebäude auch bei Frost mit 55 °C Vorlauf ausreichend warm, ist der Umstieg meist machbar. Typische Objekte sind Ein- und Zweifamilienhäuser, Reihenhäuser, kleine Mehrfamilienhäuser, Schulen und Bürogebäude bis etwa 2.000 m². Benötigt werden ein Stromanschluss mit Reserve sowie ein Aufstellort mit Schallschutz (Luft/Wasser) oder Fläche für Bohrung bzw. Flächenkollektor (Sole/Wasser). Ungedämmte Altbauten mit Vorlauftemperaturen über 65 °C sollten zuerst thermisch saniert werden; bei Denkmalschutz können Außengeräte ausgeschlossen sein.
Was bringt der Heizungstausch auf Wärmepumpe konkret?
Die Endenergie sinkt um 65 bis 80 %, die CO2-Emissionen um mehr als 90 % – mit Ökostrom auf null. Für ein Einfamilienhaus mit 18.000 kWh Wärmebedarf bedeutet das rund 19.700 kWh weniger Endenergie und etwa 5,7 t CO2 pro Jahr. Die Investition liegt bei 18.000 bis 32.000 € für Luft/Wasser und 28.000 bis 45.000 € für Sole/Wasser inklusive Tiefenbohrung. Bei 20 Jahren Nutzungsdauer amortisiert sich die Anlage je nach Förderung und Strompreis in 8 bis 15 Jahren.
Energieträger
Heizöl → Strom
Einsparpotenzial
65-80 % Endenergie, >90 % CO2 (bei Ökostrom 100 %)
Rechenbeispiel
Ein Einfamilienhaus mit 150 m² Bruttogrundfläche und einem Heizwärmebedarf von 100 kWh/(m²·a) benötigt 15.000 kWh Heizwärme, dazu 3.000 kWh für Warmwasser – zusammen 18.000 kWh/a. Der bestehende Ölkessel arbeitet mit einem Jahresnutzungsgrad von 0,75 und verbraucht damit rund 24.000 kWh Heizöl jährlich. Als Ersatz wird eine Sole/Wasser-Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 4,2 gewählt. Die Endenergieeinsparung ergibt sich aus 18.000 × (1/0,75 − 1/4,2) = 18.000 × (1,333 − 0,238) = 18.000 × 1,095 = 19.710 kWh/a. Der neue Stromverbrauch beträgt 18.000 / 4,2 = 4.286 kWh/a. Mit den Emissionsfaktoren 0,266 kg CO2/kWh für Heizöl und 0,156 kg CO2/kWh für den österreichischen Strommix ergibt sich eine CO2-Bilanz von 6.384 kg − 668 kg = 5.716 kg/a. Das Gebäude spart also rund 19.700 kWh Endenergie und etwa 5,7 t CO2 pro Jahr.
Investition & Amortisation
Luft/Wasser: 18.000-32.000 €; Sole/Wasser inkl. Tiefenbohrung: 28.000-45.000 € (EFH) · Nutzungsdauer: 20 a · Amortisation: 8-15 (abhängig von Förderung und Strompreis) a
Anwendbarkeit
Voraussetzungen
- Gebäude ausreichend gedämmt (Heizlast < 50 W/m² ideal)
- Ausreichende Aufstellfläche und Stromanschluss
- Bei Sole/Wasser: Grundstück für Bohrung bzw. Flächenkollektor
- Bei Luft/Wasser: Aufstellort mit Schallschutz zu Nachbarn
Ausschlusskriterien
- Sehr alte, ungedämmte Gebäude mit hoher Vorlauftemperatur (>65 °C) ohne Vorab-Sanierung
- Denkmalschutz mit Vorgaben gegen Außengeräte
Typische Objekte
- EFH
- RH
- ZFH
- kleine MFH
- Schulen
- Büros bis 2.000 m²
Häufige Fragen
Was kostet der Umstieg von Ölheizung auf Wärmepumpe?
Der Umstieg von Ölheizung auf Wärmepumpe kostet im Einfamilienhaus 18.000 bis 32.000 € für eine Luft/Wasser-Wärmepumpe und 28.000 bis 45.000 € für eine Sole/Wasser-Anlage inklusive Tiefenbohrung. Enthalten sind Gerät, Montage, hydraulische Einbindung und Pufferspeicher. Hinzu kommen Kosten für Tankstilllegung und gegebenenfalls Elektroanschluss. Die Amortisation liegt bei 8 bis 15 Jahren, abhängig von Förderung und Strompreis, bei einer Nutzungsdauer von rund 20 Jahren.
Braucht man für eine Wärmepumpe zwingend eine Fußbodenheizung?
Nein, eine Fußbodenheizung ist keine zwingende Voraussetzung. Wichtig ist, dass das Gebäude mit einer Vorlauftemperatur von höchstens etwa 50 bis 55 °C beheizt werden kann. Das gelingt auch mit Heizkörpern, wenn diese ausreichend groß dimensioniert sind oder das Gebäude gedämmt wurde. Ein hydraulischer Abgleich und eine Absenkung der Heizkurve helfen, die nötige Vorlauftemperatur zu senken. Bei sehr hohen Temperaturen kommen Hochtemperatur-Wärmepumpen in Frage.
Lohnt sich eine Wärmepumpe im unsanierten Altbau?
Im ungedämmten Altbau mit Vorlauftemperaturen über 65 °C lohnt sich eine Wärmepumpe meist erst nach einer thermischen Sanierung. Die Jahresarbeitszahl bricht bei hohen Vorlauftemperaturen ein, sodass die Stromkosten steigen und die Einsparung schrumpft. Sinnvoll ist ein Stufenplan: zuerst Hülle dämmen oder Heizflächen vergrößern, dann Wärmepumpe einbauen. Als Zwischenlösung kann eine Hybridheizung dienen, bei der der Bestandskessel nur die Spitzenlast an kalten Tagen abdeckt.
Was ist der Unterschied zwischen Luft/Wasser- und Sole/Wasser-Wärmepumpe?
Eine Luft/Wasser-Wärmepumpe nutzt die Außenluft als Wärmequelle, eine Sole/Wasser-Wärmepumpe das Erdreich über Tiefenbohrung oder Flächenkollektor. Die Erdwärmepumpe erreicht mit einer Jahresarbeitszahl von 4,0 bis 4,8 höhere Effizienz als die Luftvariante mit 3,0 bis 4,0, weil die Quelltemperatur im Winter stabil bleibt. Dafür ist sie mit 28.000 bis 45.000 € deutlich teurer als Luft/Wasser mit 18.000 bis 32.000 € und braucht Platz für die Bohrung.
Welche Normen gelten für Wärmepumpen in Österreich?
In Österreich sind für Wärmepumpen vor allem die ÖNORM EN 14511 (Prüfung und Leistungsangaben), die ÖNORM EN 14825 (Berechnung der saisonalen Effizienz), die ÖNORM M 7140 (Wirtschaftlichkeitsrechnung) und die OIB-Richtlinie 6 (Energieeinsparung und Wärmeschutz) maßgeblich. Die Methodik zur Bewertung der Einsparung beim Heizungstausch ist in der Energieeffizienz-Richtlinienverordnung 2016 festgelegt. Förderungen für den Umstieg werden von Bund und Ländern angeboten und ändern sich regelmäßig.
Verwandte Maßnahmen
- Fassadendämmung (WDVS oder vorgehängte hinterlüftete Fassade)
- Fenstertausch (3-fach Wärmeschutzverglasung)
- Witterungsgeführte Heizungsregelung + Nachtabsenkung
- PV-Anlage zur Stromeigenversorgung
- Absenkung der Vorlauftemperatur (Heizkurvenoptimierung)
Normen & Quellen
- ÖNORM EN 14511
- ÖNORM EN 14825
- ÖNORM M 7140
- OIB-RL 6
- EEff-RL-VO-2016 · Anlage 1 Methodenvorschriften, Methode zu Heizungstausch auf Wärmepumpe
- klimaaktiv-2023 · Maßnahmenkatalog 2023, RWz 2-5
Messpunkte in der EDM Toolbox
Für EDM Toolbox empfohlene Messpunkte: (1) Stromzähler WP separat, (2) Wärmemengenzähler Vorlauf/Rücklauf, (3) Außentemperatur. So lässt sich die JAZ kontinuierlich monitoren. LineMetrics M-Bus Gateway für Wärmemengenzähler + Smart-Meter-API für WP-Strom geeignet.