Absenkung der Vorlauftemperatur (Heizkurvenoptimierung)

Senkung der Vorlauftemperatur soweit möglich ohne Komfortverluste - direkter Hebel für Brennwertnutzung bei Gas und JAZ-Steigerung bei Wärmepumpe.

Wie funktioniert die Absenkung der Vorlauftemperatur?

Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Heizwasser vom Wärmeerzeuger in die Heizflächen strömt. Sie wird über die Heizkurve des Reglers in Abhängigkeit von der Außentemperatur festgelegt. In vielen Bestandsanlagen ist die Heizkurve höher eingestellt als nötig – als Sicherheitsreserve oder weil sie nie angepasst wurde. Jedes Kelvin zu viel kostet Effizienz: Bei Gas-Brennwertkesseln verbessert eine niedrigere Vorlauftemperatur die Kondensation des Abgases und senkt den Gasverbrauch um 1 bis 1,5 % je Kelvin. Bei Wärmepumpen ist der Effekt noch stärker, weil ein geringerer Temperaturhub zwischen Wärmequelle und Vorlauf den Kompressor entlastet: rund 2,5 % weniger Strom je Kelvin. Die Absenkung erfolgt schrittweise über Niveau und Steilheit der Heizkurve, begleitet von Raumtemperaturkontrollen.

Für welche Gebäude lohnt sich die Heizkurvenoptimierung?

Grundsätzlich für alle wassergeführten Heizsysteme, besonders für Anlagen mit Wärmepumpe oder Brennwertkessel. Voraussetzung ist, dass die Heizflächen groß genug sind, um die Räume auch mit niedrigerer Vorlauftemperatur zu erwärmen – gegeben bei Fußbodenheizung, bei großzügig ausgelegten Heizkörpern oder nach einer thermischen Sanierung, die die Heizlast gesenkt hat. Ein hydraulischer Abgleich sollte vorausgehen, sonst begrenzt der schlechtestversorgte Heizkörper die mögliche Absenkung. Stark unterdimensionierte Heizkörper in ungedämmten Räumen setzen der Maßnahme Grenzen. Ein guter Startpunkt ist die Prüfung, ob die Räume bei Frost mit 55 °C Vorlauf noch warm werden.

Was bringt die Absenkung der Vorlauftemperatur konkret?

Der Endenergiebedarf sinkt um 3 bis 15 %, abhängig von Wärmeerzeuger und erreichbarer Absenkung. Eine Wärmepumpe mit 15.000 kWh Wärmebedarf spart bei 5 K niedrigerer Vorlauftemperatur rund 500 kWh Strom pro Jahr, die Jahresarbeitszahl steigt von 3,8 auf etwa 4,3. Die Kosten liegen bei 0 bis 300 € für die Reglereinstellung, gegebenenfalls mit Begleitung durch den Heizungsbauer. Damit amortisiert sich die Maßnahme in weniger als einem Jahr und ist eine der günstigsten Effizienzmaßnahmen überhaupt.

Energieträger

Erdgas, Strom → Erdgas, Strom

Einsparpotenzial

3-15 %

Rechenbeispiel

Ein Einfamilienhaus wird von einer Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3,8 beheizt, der jährliche Wärmebedarf beträgt 15.000 kWh. Die Heizkurve wurde bei der Inbetriebnahme mit Sicherheitsreserve eingestellt und seither nicht angepasst. Im Rahmen der Optimierung wird das Niveau der Heizkurve in mehreren Schritten über die Heizperiode gesenkt, jeweils begleitet von Raumtemperaturkontrollen; insgesamt lässt sich die Vorlauftemperatur um 5 K reduzieren, ohne dass die Räume zu kalt werden. Für Wärmepumpen gilt ein Einsparfaktor von 0,025 je Kelvin. Die Stromeinsparung ergibt sich aus 15.000 × 5 × 0,025 / 3,8 = 1.875 / 3,8 = 493 kWh pro Jahr. Gleichzeitig steigt die Jahresarbeitszahl von 3,8 auf etwa 4,3. Da nur die Reglereinstellung geändert wird, entstehen Kosten von höchstens 300 €, und die Maßnahme amortisiert sich innerhalb der ersten Heizperiode.

Investition & Amortisation

0-300 € (Reglereinstellung, ggf. Begleitung Heizungsbauer) · Nutzungsdauer: 10 a · Amortisation: <1 a

Anwendbarkeit

Voraussetzungen

Ausschlusskriterien

Typische Objekte

Häufige Fragen

Wie viel spart ein Grad weniger Vorlauftemperatur?

Ein Kelvin weniger Vorlauftemperatur senkt den Stromverbrauch einer Wärmepumpe um rund 2,5 % und den Gasverbrauch eines Brennwertkessels um 1 bis 1,5 %. Bei Niedertemperatur-Gaskesseln ohne Brennwertnutzung liegt der Effekt nur bei etwa 0,5 % je Kelvin. Eine Absenkung um 5 K bringt bei einer Wärmepumpe mit 15.000 kWh Wärmebedarf rund 500 kWh Strom pro Jahr. Voraussetzung sind ausreichend große Heizflächen.

Wie niedrig darf die Vorlauftemperatur bei einer Wärmepumpe sein?

Wärmepumpen arbeiten am effizientesten mit Vorlauftemperaturen zwischen 35 und 45 °C, wie sie bei Fußbodenheizung üblich sind. Mit Heizkörpern sind 45 bis 55 °C realistisch. Die untere Grenze setzt der Wärmebedarf der Räume: Die Vorlauftemperatur darf nur so weit sinken, dass alle Räume am kältesten Tag noch die Solltemperatur erreichen. Ein hydraulischer Abgleich und größere Heizkörper erlauben tiefere Werte.

Kann man die Vorlauftemperatur selbst senken?

Die Vorlauftemperatur lässt sich am Heizungsregler über das Niveau und die Steilheit der Heizkurve selbst anpassen. Empfehlenswert ist ein schrittweises Vorgehen: Das Niveau um 2 bis 3 K senken, einige Tage beobachten, ob alle Räume warm werden, dann weiter absenken. Bei Unsicherheit oder komplexen Anlagen mit mehreren Heizkreisen sollte der Heizungsbauer die Einstellung begleiten; die Kosten dafür liegen bei höchstens etwa 300 €.

Was ist der Unterschied zwischen Vorlauf- und Rücklauftemperatur?

Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers beim Verlassen des Wärmeerzeugers, die Rücklauftemperatur die Temperatur nach dem Durchströmen der Heizflächen. Die Differenz, die Spreizung, beträgt bei Heizkörpern typisch 10 bis 20 K, bei Fußbodenheizung 5 bis 8 K. Für Brennwertkessel ist eine niedrige Rücklauftemperatur unter 55 °C entscheidend, damit das Abgas kondensiert; für Wärmepumpen zählt vor allem eine niedrige Vorlauftemperatur.

Muss vor der Absenkung ein hydraulischer Abgleich gemacht werden?

Ein hydraulischer Abgleich sollte der Absenkung vorausgehen, ist aber keine formale Pflicht. Ohne Abgleich bestimmt der am schlechtesten versorgte Heizkörper, wie weit die Vorlauftemperatur sinken kann; alle anderen Räume werden dann überversorgt. Nach dem Abgleich erhält jeder Heizkörper die richtige Wassermenge, sodass die Vorlauftemperatur typisch um 5 bis 10 K weiter abgesenkt werden kann. Beide Maßnahmen ergänzen sich daher ideal.

Verwandte Maßnahmen

Normen & Quellen

Messpunkte in der EDM Toolbox

Ideal mit EDM Toolbox monitorbar: VL/RL-Temperatursensoren + Wärmemengen/Stromzähler. Stufenweise VL-Absenkung mit Raumtemperatur-Monitoring (Stichproben) iterativ ermitteln.

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