Sanierung Kastenfenster (Innenflügel mit Isolierverglasung)
Erhalt der historischen Außenflügel + Tausch der Innenflügel auf 2- oder 3-fach Verglasung + Dichtungsverbesserung.
Wie funktioniert die Sanierung von Kastenfenstern?
Kastenfenster bestehen aus zwei hintereinander liegenden Fensterebenen, dem Außen- und dem Innenflügel, mit einem Luftraum dazwischen. Bei der Sanierung bleibt der historische, stadtbildprägende Außenflügel erhalten und wird lediglich überarbeitet. Der Innenflügel wird gegen ein neues Holzfenster mit 2-fach Wärmeschutzverglasung (Ug = 1,1 W/(m²·K)) oder Vakuumverglasung (Ug = 0,5 W/(m²·K)) getauscht, und die Dichtungen beider Ebenen werden erneuert. Der Ug-Wert bezeichnet dabei den Wärmedurchgang der Verglasung allein. Der Luftraum zwischen den Flügeln wirkt als zusätzlicher Puffer. Das sanierte Kastenfenster erreicht so einen Uw-Wert von etwa 1,1 bis 1,4 W/(m²·K), gegenüber 2,5 bis 3,0 W/(m²·K) im Bestand. Wichtig ist, dass der Innenflügel dichter schließt als der Außenflügel, damit Raumfeuchte nicht im Kasten kondensiert.
Für welche Gebäude lohnt sich eine Kastenfenster-Sanierung?
Die Maßnahme ist der Klassiker für gründerzeitliche Mehrfamilienhäuser, denkmalgeschützte Bauten und Objekte in Schutzzonen, in denen ein vollständiger Fenstertausch aus gestalterischen oder rechtlichen Gründen nicht in Frage kommt. Voraussetzung ist ein intakter Bestand: Die Außenflügel müssen in gutem Zustand sein oder mit vertretbarem Aufwand instand gesetzt werden können. Bei stark geschädigten Fenstern mit Fäulnis, verzogenen Rahmen oder defekten Beschlägen ist eine Nachbildung des Kastenfensters wirtschaftlicher. In Wien und anderen Altbaustädten ist die Abstimmung mit der Denkmalbehörde vor der Sanierung üblich und oft Voraussetzung für Förderungen.
Was bringt eine Kastenfenster-Sanierung konkret?
Die Heizenergieeinsparung liegt bei 10 bis 18 %. Für ein gründerzeitliches Mehrfamilienhaus mit 35 m² Kastenfensterfläche ergeben sich rund 4.200 kWh Erdgas pro Jahr. Die Kosten liegen bei 300 bis 550 €/m² Fensterfläche und damit deutlich unter einem denkmalgerechten Neubau der Fenster. Die Amortisation beträgt 20 bis 30 Jahre bei 30 Jahren Nutzungsdauer. Neben der Energieeinsparung steigt die Oberflächentemperatur des Innenflügels, was Zugerscheinungen und Kondensat reduziert, und der Schallschutz der doppelten Fensterebene verbessert sich weiter.
Energieträger
Erdgas, Heizöl, Pellet, Fernwärme → Erdgas, Heizöl, Pellet, Fernwärme
Einsparpotenzial
10-18 %
Rechenbeispiel
Ein gründerzeitliches Mehrfamilienhaus in einer Schutzzone hat 35 m² originale Kastenfenster, deren Außenflügel erhalten bleiben sollen. Der Bestand hat einen Uw-Wert von 2,7 W/(m²·K). Die Innenflügel werden gegen neue Holzfenster mit Isolierverglasung getauscht und die Dichtungen erneuert, wodurch das sanierte Kastenfenster 1,3 W/(m²·K) erreicht. Das Gebäude wird mit Gas bei 88 % Wirkungsgrad beheizt, der Standort hat 3.500 Heizgradtage. Mit dem Korrekturfaktor 0,9 ergibt sich: 35 × 1,4 × 3.500 × 0,024 / 0,88 × 0,9 = 4.211 kWh/a. Das Haus spart somit rund 4.200 kWh Erdgas pro Jahr, ohne dass sich das äußere Erscheinungsbild der Fassade verändert. Die Maßnahme ist damit denkmalschutzkonform und förderfähig.
Investition & Amortisation
300-550 €/m² · Nutzungsdauer: 30 a · Amortisation: 20-30 a
Anwendbarkeit
Voraussetzungen
- Kastenfensterbestand intakt
- Außenflügel gut
Ausschlusskriterien
- Stark geschädigte Bestände
Typische Objekte
- Denkmalgeschützte Gründerzeitbauten
- Schutzzonen
Häufige Fragen
Was kostet die Sanierung eines Kastenfensters?
Die Sanierung von Kastenfenstern mit neuem Innenflügel, Isolierverglasung und Dichtungserneuerung kostet 300 bis 550 €/m² Fensterfläche. Ein typisches Gründerzeitfenster mit 2 m² liegt damit bei etwa 600 bis 1.100 €. Der Erhalt des Außenflügels macht die Sanierung deutlich günstiger als eine denkmalgerechte Nachbildung. Zusätzliche Kosten entstehen, wenn Außenflügel abgeschliffen, ausgebessert und neu gestrichen werden müssen.
Darf man Kastenfenster bei Denkmalschutz tauschen?
Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist der Tausch originaler Kastenfenster in der Regel nicht zulässig; die Sanierung mit Erhalt des Außenflügels ist der genehmigungsfähige Weg. In Österreich ist das Bundesdenkmalamt zuständig, in Schutzzonen zusätzlich die Gemeinde. Der Innenflügel darf meist getauscht werden, weil er von außen nicht sichtbar ist. Eine frühzeitige Abstimmung mit der Behörde ist auch für Förderungen empfehlenswert.
Welchen U-Wert erreicht ein saniertes Kastenfenster?
Ein saniertes Kastenfenster erreicht einen Uw-Wert von etwa 1,1 bis 1,4 W/(m²·K), verglichen mit 2,5 bis 3,0 W/(m²·K) im unsanierten Zustand. Mit 2-fach Wärmeschutzverglasung im Innenflügel (Ug = 1,1) liegt man am oberen Ende, mit Vakuumverglasung (Ug = 0,5) am unteren. Damit erfüllt das sanierte Kastenfenster in vielen Fällen die Anforderung der OIB-Richtlinie 6 von 1,1 W/(m²·K) für Sanierungen.
Was ist der Unterschied zwischen Kastenfenster-Sanierung und Fenstertausch?
Beim Fenstertausch wird das gesamte Fenster durch ein neues 3-fach verglastes Element ersetzt, das Uw-Werte um 0,85 W/(m²·K) erreicht. Bei der Kastenfenster-Sanierung bleibt der historische Außenflügel erhalten, nur der Innenflügel wird erneuert; das Ergebnis liegt bei 1,1 bis 1,4 W/(m²·K). Die Sanierung ist günstiger, denkmalverträglich und bewahrt den Schallschutz der doppelten Ebene, der Fenstertausch bringt die höhere Energieeinsparung.
Warum entsteht Kondenswasser im Kastenfenster und wie vermeidet man es?
Kondenswasser bildet sich, wenn feuchte Raumluft in den Zwischenraum gelangt und an der kalten Außenscheibe abkühlt. Nach der Sanierung muss deshalb der Innenflügel dichter schließen als der Außenflügel, damit der Kasten zur Außenluft hin leicht belüftet bleibt und Feuchte nach außen entweichen kann. Neue Dichtungen am Innenflügel und bewusst weniger dichte Außenflügel sind daher Teil einer fachgerechten Ausführung.
Verwandte Maßnahmen
Normen & Quellen
- ÖNORM B 5320
Messpunkte in der EDM Toolbox
Oberflächentemperatursensor am Innenflügel zeigt Komforterfolg (höhere Oberflächentemperatur, Verringerung Kondensatrisiko).