Flachdachdämmung (Aufdach)
Aufbringung einer zusätzlichen Dämmlage auf das bestehende Flachdach - meist im Zuge der Sanierung der Abdichtung.
Wie funktioniert eine Flachdachdämmung?
Bei der Flachdachdämmung wird auf das bestehende Dach eine zusätzliche Dämmlage aufgebracht, in der Regel im Zuge der Erneuerung der Dachabdichtung. Der Aufbau als Warmdach lautet: Bestandsdach, Dampfsperre, 24 bis 30 cm Dämmung aus PIR, PUR oder Mineralwolle, neue Abdichtung, darüber Bekiesung oder Begrünung. Die Dampfsperre auf der warmen Seite verhindert, dass Feuchte aus dem Gebäude in die Dämmschicht gelangt und dort kondensiert. Mit mindestens 24 cm Dämmstoff sinkt der U-Wert von 0,5 bis 1,5 W/(m²·K) im Bestand auf 0,16 bis 0,18 W/(m²·K). Da die Dämmung außen auf der Tragkonstruktion liegt, bleibt sie wärmebrückenfrei; Anschlüsse an Attika, Lichtkuppeln, Dachabläufe und Durchdringungen müssen jedoch sorgfältig hochgeführt werden. Die zusätzliche Last von 30 bis 80 kg/m² ist statisch nachzuweisen.
Für welche Gebäude lohnt sich eine Flachdachdämmung?
Typische Objekte sind Mehrfamilienhäuser mit Flachdach, Bürogebäude und Industriehallen. Der richtige Zeitpunkt ist die ohnehin fällige Sanierung der Dachabdichtung, meist nach 25 bis 35 Jahren, weil dann Abdichtungskosten in jedem Fall anfallen und nur die Dämmung als Mehrkosten zu Buche schlägt. Voraussetzungen sind eine statisch tragfähige Dachkonstruktion und geklärte Anschlussdetails an Attika und Aufbauten. Die Maßnahme lässt sich ideal mit einer aufgeständerten Photovoltaikanlage oder einer extensiven Dachbegrünung kombinieren, die zusätzlich das Aufheizen des Daches im Sommer reduziert.
Was bringt eine Flachdachdämmung konkret?
Die Heizenergieeinsparung liegt bei 10 bis 20 %. Für ein Mehrfamilienhaus mit 350 m² Flachdach ergeben sich rund 20.600 kWh Erdgas pro Jahr, entsprechend etwa 4,1 t CO2. Die Kosten betragen 150 bis 280 €/m² inklusive neuer Abdichtung, die Amortisation 12 bis 22 Jahre bei einer Nutzungsdauer von 35 Jahren. Weil der Kühlbedarf im obersten Geschoß sinkt, wirkt die Maßnahme auch im Sommer. Zusammen mit einer PV-Anlage entsteht ein Bündel, das Wärmeverluste senkt und gleichzeitig Strom erzeugt.
Energieträger
Erdgas, Heizöl, Pellet, Fernwärme → Erdgas, Heizöl, Pellet, Fernwärme
Einsparpotenzial
10-20 %
Rechenbeispiel
Ein Mehrfamilienhaus aus den 1960er-Jahren mit 350 m² Flachdach muss wegen undichter Abdichtung saniert werden. Das Dach hat eine dünne Bestandsdämmung mit einem U-Wert von 0,9 W/(m²·K). Im Zuge der Abdichtungssanierung werden eine Dampfsperre und 24 cm Dämmung aufgebracht, womit der U-Wert auf 0,16 W/(m²·K) sinkt. Das Gebäude wird mit Gas bei 90 % Wirkungsgrad beheizt, der Standort hat 3.500 Heizgradtage. Mit dem Korrekturfaktor 0,85 für Wärmebrücken und Nutzerverhalten lautet die Rechnung: 350 × (0,9 − 0,16) × 3.500 × 0,024 / 0,9 × 0,85 = 20.580 kWh/a. Das Haus spart damit rund 20.600 kWh Erdgas pro Jahr und etwa 4,1 t CO2. Weil die Abdichtung ohnehin erneuert werden musste, rechnet sich die Dämmung deutlich schneller als die nominelle Amortisationszeit.
Investition & Amortisation
150-280 €/m² (inkl. Abdichtung) · Nutzungsdauer: 35 a · Amortisation: 12-22 a
Anwendbarkeit
Voraussetzungen
- Statisch tragfähig (zusätzliche Last 30-80 kg/m²)
- Anschlussdetails geklärt
Typische Objekte
- MFH mit Flachdach
- Bürogebäude
- Industriehallen
Häufige Fragen
Was kostet eine Flachdachdämmung pro Quadratmeter?
Eine Flachdachdämmung als Warmdach kostet 150 bis 280 €/m² inklusive Dampfsperre, 24 cm Dämmung und neuer Abdichtung. Für 350 m² Dachfläche sind das etwa 52.000 bis 98.000 €. Da die Abdichtung nach 25 bis 35 Jahren ohnehin erneuert werden muss, sind die reinen Mehrkosten der Dämmung mit etwa 40 bis 80 €/m² deutlich geringer. Bekiesung, Begrünung oder PV-Aufständerung kommen hinzu.
Wie dick muss die Dämmung auf einem Flachdach sein?
Empfohlen werden mindestens 24 cm Dämmstoff, um einen U-Wert von 0,18 W/(m²·K) oder besser zu erreichen; 24 bis 30 cm sind üblich. Mit PIR- oder PUR-Platten geringerer Wärmeleitfähigkeit lässt sich die gleiche Dämmwirkung mit weniger Stärke erzielen, was bei begrenzter Attikahöhe hilft. Die OIB-Richtlinie 6 verlangt in Österreich bei Sanierung höchstens 0,20 W/(m²·K), in Deutschland gilt nach GEG derselbe Wert.
Was ist der Unterschied zwischen Warmdach und Umkehrdach?
Beim Warmdach liegt die Dämmung unter der Abdichtung und wird durch eine Dampfsperre gegen Feuchte von innen geschützt; die Abdichtung ist die oberste Schicht. Beim Umkehrdach liegt die Dämmung aus XPS oberhalb der Abdichtung und wird mit Kies oder Begrünung beschwert. Das Umkehrdach schützt die Abdichtung vor Temperaturschwankungen und UV-Strahlung, benötigt aber einen feuchteunempfindlichen Dämmstoff und hat durch Wasserunterströmung etwas höhere Wärmeverluste.
Trägt ein Flachdach die zusätzliche Dämmung?
Das muss ein Statiker prüfen. Eine Flachdachdämmung mit neuer Abdichtung bringt 30 bis 80 kg/m² zusätzliche Last, eine Bekiesung oder extensive Begrünung 50 bis 150 kg/m², eine PV-Aufständerung weitere 15 bis 30 kg/m². Bei Stahlbetondecken ist die Reserve meist ausreichend, bei Trapezblechdächern von Industriehallen oder alten Holzkonstruktionen kann sie knapp sein. Der statische Nachweis ist Voraussetzung für die Ausführung.
Kann man Flachdachdämmung mit Photovoltaik oder Begrünung kombinieren?
Ja, die Kombination ist sogar empfehlenswert. Eine sanierte Abdichtung mit hoher Dämmung ist die ideale Basis für eine aufgeständerte PV-Anlage, weil das Dach danach über die Lebensdauer der Module hinweg nicht mehr geöffnet werden muss. Eine extensive Begrünung schützt die Abdichtung, kühlt das Dach im Sommer und verbessert den Ertrag der PV-Module durch niedrigere Umgebungstemperaturen. Die Zusatzlasten sind statisch zu berücksichtigen.
Verwandte Maßnahmen
Normen & Quellen
- ÖNORM B 3691
- ÖNORM B 8110-1
Messpunkte in der EDM Toolbox
Beim Bündel mit PV: gemeinsamer Stromzähler PV, Vergleich Heizenergie vor/nach mit HGT-Korrektur. Optional Dachoberflächentemperatur als Indikator für sommerlichen Kühlbedarf.